Kochen mit Köpfchen

Soulfood – Essen für die Seele

Warm, kalorienreich, deftig und mit jeder Menge Kohlehydraten – das alles darf Soulfood sein. Essen, mit dem wir uns einfach gut fühlen, ganz ohne Kalorien zu zählen oder auf den Säure-Basen-Haushalt zu achten.

Ein Stück von der Riesen-Zimtschnecke oder die gut belegte Pizza mit ordentlich Käse im “Cheeseburger Style”. Und wenn’s hochkommt, noch vorm Fernseher genossen. Manchmal kann Essen wirklich glücklich machen. Vor allem dann, wenn wir sämtliche Ernährungsgrundsätze über Bord werfen und noch dazu über den Hunger essen. Soulfood ist einfach Essen für die Seele, das uns Geborgenheit schenkt. Doch woher kommt dieser Foodtrend eigentlich?

Woher kommt Soulfood?

Soulfood ist die afroamerikanische Küche der Südstaaten. In Tennesse, Missisippi oder Georgia gehören kalorienreiche Gerichte wie Chicken Wings, Spare Ribs oder frittierter Catfish ganz selbstverständlich auf die Speisekarte. Dazu passen Maisbrot, karamellisierte Yams, die an Grünkohl erinnernden Collard-Greens und Grits, eine Art Polenta. Die deftige Küche im Süden der USA, bei der ohne Fett und Zucker gar nichts geht, gibt es übrigens schon lange – doch erst jetzt bekommt sie richtig mediale Aufmerksamkeit. Soulfood hat seine Wurzeln in den Essgewohnheiten der afroamerikanischen Sklaven, es ist eigentlich Arme-Leute-Essen. Deswegen stehen auch bis heute Innereien oder Schweinshaxe auf den Karten – die Schlachtabfälle wurden früher nämlich den Sklaven überlassen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Soulfood dann im Rahmen der Bürgerrechtsbewegung zur Küchenkultur der schwarzen Bevölkerung.

Soulfood Menü

Was hat Malcolm X mit Soulfood zu tun?

Ganz viel. Der schwarze Bürgerrechtler soll den Begriff Soulfood erfunden haben. Und zwar in der Zeit, als Malcolm X mit Gleichgesinnten für ein Ende der Rassentrennung kämpfte. Ganz viel zu tun hat damit auch das Restaurant Paschal’s in Atlanta, eine Soulfood-Institution. Im Restaurant wurde Soulfood schon serviert, bevor der Begriff überhaupt geprägt wurde. Dort trafen sich die Aktivisten, unter ihnen auch Malcolm X und Martin Luther King, und besprachen bei einer Portion Fried Chicken mit Collard Greens die nächsten Aktionen.

Früher war Soulfood gesünder

Die Omas, die früher das Soulfood für die ganze Familie mit ganz viel Liebe kochten, verwendeten kaum Fleisch, weil es sehr teuer war. Dafür aber jede Menge Gemüse aus eigenem Anbau für ihre deftige, geschmackvolle Hausmannskost. Heute gehört Fleisch (das ziemlich oft in die Fritteuse muss) zu Soulfood unbedingt dazu. Das Gemüse spielt dafür auf den Tellern mit den Riesenportionen eindeutig die zweite Geige.

Banoffee Pie

Was gehört unbedingt in Soulfood hinein?

Weil Soulfood ursprünglich eine Mangelküche war, werden dafür eigentlich die weniger beliebten Fleischteile verwendet. Etwa die schon erwähnten Schweinsfüße, Schweinsohren, Hühnerflügel oder Innereien und früher auch selbst gejagte Tiere wie Opossum oder Kaninchen. Dazu noch Fische und Muscheln. Als Sättigungsgrundlage dienen Mais, Weizen, Reis, Kartoffeln und Süßkartoffeln. Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen gehören genauso zu Soulfood wie Kohl, Kürbis, Rüben und Zwiebeln. Soulfood enthält viel Zucker und Fett – damit wurden die nicht so guten Lebensmittel früher geschmacklich aufgewertet. Deswegen wird in der richtigen Südstaatenküche das Gemüse auch in Schweineschmalz angebraten. Zu trinken gibt es meist süßen Eistee.

Soulfood heute

Soulfood ist nicht nur die afroamerikanische Südstaatenküche. Soulfood ist auch der Schweinsbraten von der Oma mit Knödeln und Kraut, die fette Pizza oder die schokoladige Brownietarte mit Eis (einige Rezepte findest du übrigens in unserem Soulfood-Rezeptheft). Soulfood ist einfach Essen, das gut schmeckt, das uns ein gutes Gefühl gibt und bei dem wir ernährungstechnisch auch mal fünf gerade sein lassen. Soulfood ist simpel, deftig und orientiert sich immer am Motto „mehr ist mehr“. Kalorienmäßig wie auch von der Portionsgröße her. Und weil’s so passend ist, zum Schluss noch ein Zitat von der amerikanischen Köchin und Kochbuchautorin Julia Child: Wenn du keine Butter verwenden möchtest, nimm Sahne.“

Pizza und Karamell

(06.10.2021)

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